Frauen eine Stimme geben

Kunstprojekt mit Flüchtlingsfrauen

 

Die Idee

In der Schwarzwald-Metropole Freiburg leben zahlreiche jesidische Flüchtlingsfrauen mit ihren Kindern.

Das Kunstprojekt ist ein Baustein auf dem Weg zur Integration der Geflüchteten in ihr neues Lebensumfeld. Es gibt zugleich den Teilnehmerinnen die Möglichkeit, Impulse aus der reichen Kultur ihrer Herkunftsländer hier bei uns einzubringen.

Im Projekt bieten ehrenamtliche kunstpädagogische Fachkräfte den Flüchtlingsfrauen Raum zur angeleiteten künstlerischen Betätigung mit den Schwerpunkten Malen und Keramik.

Lalish - der heilige Ort der JesidenDas Projekt knüpft an die aktuelle Lebenssituation der Frauen an und unterstützt sie mit diesen Mal- und Keramik-Angeboten dabei, nach teils schweren traumatischen Erlebnissen wieder Freude am Leben zu gewinnen, neue Ausdrucksformen auszuprobieren und neue persönliche Lebensperspektiven zu entwickeln. Dabei wird Kunst auch zum Mittel, die fremde Sprache im lebenspraktischen Umfeld zu lernen – zugleich wird sie im öffentlichen Raum zur Brücke der Begegnung und damit zum Integrationsmoment.

 

 

 

Träger, Kooperationspartner, Ehrenamtliche

Das Projekt ist angebunden an das Netzwerk Freiburg im Wandel im Treffpunkt Freiburg e.V. (gemeinnützig).

Die erste Phase unseres Projektes begann Mitte April 2016 zum Sommersemester 2016 auf der Basis einer minimalen Ausstattung und mit insgesamt neun ehrenamtlich Engagierten, darunter sieben Fachkräften.

Das Projekt kooperiert mit Wohnheimen für Flüchtlingsfrauen in Freiburg.

In der Pädagogischen Hochschule Freiburg fanden wir einen Kooperationspartner (Ansprechpartner: Prof. Dr. Thomas Heyl), der dem Projekt Räume und Werkmaterialien zur Verfügung stellt. Zeitgleich haben während der ersten Phase Studierende des Fachbereichs Kunst die Kinder der Teilnehmerinnen in einem studienbegleitenden Kunstprojekt betreut. Die Kooperation wurde im Wintersemester 2016/2017 fortgesetzt und für das Sommersemester 2017 vereinbart.

Hinzu kommt die Kooperation mit den Busunternehmen „Avanti Busreisen“ und „Rast Reisen“, die die Frauen im Sommersemester 2016 kostenfrei von ihrer Unterkunft zur Pädagogischen Hochschule transportieren. Seit dem Wintersemester 2016/2017 hat das Busunternehmen Hummel den Transport zum stark reduzierten Preis übernommen. Weitere Unternehmen unterstützen das Projekt mit Geldspenden (Sparkasse Freiburg) oder Sachspenden (s.u.).

Für die Keramikwerkstatt des Frauenprojektes ist die deutsch-peruanische Künstlerin Herta Seibt de Zinser verantwortlich. Die ehemalige Lehrbeauftragte der Universität für Kunst in Lima vermittelt seit über 20 Jahren ihr Können in der Kinderkunstschule Klecksel sowie an der Kunstschule Edith Meiron.

Die kreative Kunstwerkstatt des Projekts mit Schwerpunkt Malen leitet die langjährig in der Museumspädagogik und in weiteren pädagogischen Einsatzfeldern spezialisierte Kunsthistorikerin Ulrike Prasch (mit therapeutischer Ausbildung).

Eine bedarfsorientierte Supervision der ehrenamtlich Engagierten erfolgt durch die in Traumatherapie ausgebildete und erfahrene Psychologin Anette Peter.

Als weitere Mitarbeiterinnen haben es zwei Muttersprachlerinnen übernommen, als Sprach- und Kulturkundige zwischen den Ehrenamtlichen und den Flüchtlingsfrauen zu dolmetschen und das Projekt mit zahlreichen Hinweisen interkulturell zu beraten. Mirna Assaf aus dem Libanon und Birivan Nejm aus dem Irak leben seit vielen Jahren mit ihren Familien in Deutschland und bilden somit eine wertvolle Brücke zu Sprache und Kultur der Teilnehmerinnen. Durch sie entstand praktisch vom ersten Augenblick an eine vertraute, ja freundschaftliche Atmosphäre, die sich auf das gesamte Projekt beständig auswirkt. Da Mirna Assaf leider ausscheiden mußte, weil sie eine berufliche Tätigkeit aufnehmen konnte, engagiert sich an ihrer Stelle und auf ihre Vermittlung hin seit dem Wintersemester 2017/17 Gilas Bake im Projekt. Gilas Bake ist Kurdin und stammt aus dem Irak.  Auch sie hat mit ihrer Herzlichkeit sehr schnell eine vertrauensvolle Beziehung zu den Frauen und Kindern aufgebaut. Ihr Schwerpunkt liegt in der Kindergruppe. Die Flüchtlingsfrauen nehmen sehr gern an dem Angebot teil; sie werken und malen mit großer Ausdauer und Konzentration in entspannter Atmosphäre.

Zusammen mit der Initiatorin und Projektleiterin, der Sozialpädagogin Kornelia Stinn, und zwei Fotografen, die die Dokumentation übernehmen, sind insgesamt neun Ehrenamtliche in diesem Projekt engagiert.

Entsprechend dem Ziel, durch Kunst Integration zu fördern, sollen die Arbeiten der Teilnehmenden mit Bildbänden und Ausstellungen zukünftig öffentlich präsentiert werden.

 

Fortführung und Fortentwicklung im Wintersemester 2016/17

Unsere ausgesprochen positive Erfahrung mit dem Projekt, die sehr positiven Rückmeldungen der Teilnehmenden und der Sozialarbeiterinnen ihrer Flüchtlingsunterkunft legten eine Fortführung des Projektes im Wintersemester 2016/17 nahe.

Wie im vorhergehenden Semester stellten die Frauen Objekte aus Ton her und malten  zunächst vorgegebene Objekte und später frei zu den Themen "jesidische Religion" und "meine Wohlfühlorte".

Bei der Kinderbetreuung ergab es sich, daß hauptsächlich die kleineren Kinder der Frauen mitkamen. Für die größeren Kinder gab es zeitgleich separat ein Angebot im Wohnheim. Die Betreuung der kleinen Kinder übernahm eine im Rahmen des Projektes organisierte Gruppe ehrenamtlicher Mitarbeiterinnen aus dem Bürgerverein des Stadtteils der Pädagogischen Hochschule gemeinsam mit einigen Studentinnen. Dadurch entstand ein generationenübergreifendes Betreuungs-Team. Diese Betreuung fand wie auch im Semester zuvor im Kunstatelier der Pädagogischen Hochschule statt.

Dieses Semester endet mit einer Ausstellung von Bildern der Frauen in der ökumenischen Kirche Maria Magdalena in Freiburg-Rieselfeld (Maria-von-Rudloff-Platz), die vom 12. Februar bis 5. April dauert. Hier zeigen die Frauen im evangelischen und dem katholischen Kirchenraum sowie im Foyer ihre Bilder zur jesidischen Religion und zu Orten in ihrer Heimat, denen ihre Sehnsucht gilt.

Die Kirche Maria Magdalena ist mit ihren beiden Kirchengemeinden ein wunderbarer Ort, dessen Ausstrahlung die jesidischen Frauen sehr schätzen und wo sie sich mit offenen Armen von beiden christlichen Religionen aufgenommen fühlen. Sie konnten sich im Rahmen des evangelischen Gottesdienstes bei der Vernissage am 12.2. vorstellen und von ihrem Fluchtschicksal und ihrer Religion berichten. Das war eine außergewöhnlich positive Erfahrung für die Frauen, die in ihrer Heimat wegen ihrer Religion verfolgt wurden.

 

Fortsetzung im Sommersemester 2017

Auch im Sommersemester 2017 wird das Projekt am gleichen Ort und mit dem gleichen Team fortgeführt.

 

 

Finanzierung

Das Frauen-Kunstprojekt konnte in dieser kompetenten Besetzung nur starten, weil sich alle Fachkräfte ehrenamtlich einbringen.

Wir freuen uns, daß die weitere Durchführung vorerst mit Hilfe von Spenden und Zuschüssen gesichert ist.

Auch künftig sind wir aber bei Stiftungen und anderen potentiellen Geldgebern auf der Suche nach einer langfristigen Unterstützung.

Sie interessieren sich für das Projekt? Wir freuen uns auf Ihre Kontaktaufnahme.

Sie möchten das Projekt mit Spenden unterstützen? Hier finden Sie die Bankverbindung.

 

Wir bedanken uns bei unseren Spendern:

  • Sparkasse Freiburg
  • Wilhelm-Oberle-Stiftung
  • Stiftungsverwaltung Freiburg
  • Kulturamt der Stadt Freiburg
  • Damigra e.V.
  • Busunternehmen Hummel
  • Avanti Busreisen
  • Rast Reisen
  • Künstlergroßmarkt Boesner
  • Obi Süd
  • Künstlerbedarf Kuri
  • Idee Kreativ-Werkstatt
  • Ariana Orient House
  • Firma Schmincke, Künstlerfarben (Erkrath)

 

Kontakt

Kornelia Stinn, Sozialpädagogin (Konzept, Koordination, Fundraising)
Tel.: 0761/ 55 28 35; Email: stinn@t-online.de

 

Stand: 20.02.2017